Ich bin dann mal weg! (5 Monate in Südamerika)

  • Walter, du bist ja ein begnadeter Schreiberling!

    Das liest sich wie ein Abenteuerroman. Top!


    Ich wünsche dir, dass du gut ins neue Jahr kommst. Den "guten R..." verkneife ich mir bei den Straßenverhältnissen ;)


    Gruß, Floh

  • Auch von mir einen guten (R...) Start ins neue Jahr, nicht nur für Walter, sondern für alle Leser natürlich auch :)

    Gib mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich zu ändern vermag und gib mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.

  • Ich bin für die nächsten Monate in Whatsapp nicht über meinen "alten" Benutzernamen erreichbar.

    Google möchte mir einen Bestätigungscode auf mein Firmenhandy zusenden und weil das nicht klappt, sendet es Verifikationscodes an meine Email-Adresse, um sich hinterher zu melden, dass nicht verifiziert werden kann, dass die Email-Adresse mir gehört.


    Damit sind vorerst alle meine Kontakte verloren.

  • Damit ihr euch keine Sorgen macht. Mir geht es gut! Ich wollte ja mal ein bisschen Wein vor Ort probieren und das scheint zu funktionieren.

    Kann noch ein paar Tage dauern, bis ich weiterziehe ...

    Und Updates von unterwegs wollte ich auch noch liefern. Silvester/Neujahr ... da gibt es einiges zu erzählen von lockeren Schrauben, fehlenden Brücken und lauwarmer Lasagne.


    Die Fahrt von Salta nach Cafayate über die Ruta 68 ... hätte stundenlang fotografieren können ... aber hier gibt es ein Video (nicht von mir) der Fahrt in Gegenrichtung (HD empfohlen):

  • Wow, cool. 8) Die Bilder sind der Knaller! Auf den Reisebericht bin ich gespannt!

    Gruß Alex


    Das Schönste an einer Weinprobe ist das Bier hinterher!


    Tofu schmeckt dann richtig gut, wenn man es kurz vor dem Verzehr durch eine Bratwurst ersetzt.

  • Gestern war es eindeutig zu warm auf der Ruta 40 (Argentina) südwärts (Cafayate->Chilecito). Da ich kein Trinksystem habe, klappe ich den Helm auf (ja, ich bin unter die Klapphelmer gegangen und bereue es kein Stück!), fühle mich wie Ghostrider und nehme ein paar Schluck Wasser aus der Flasche, die ich in einer der Hosentaschen verstaut habe und beeile mich, den Helm wieder verschlossen zu bekommen. Selten so viel unterwegs getrunken ...

    Zum Glück waren die meisten Furten trocken (es gibt deren viele). Ausser man verpeilt Ruta 40 und 39. Dann steht man vor einem veritablen und gut gefüllten Fluss und Herr Garmin meint, das gehört sich so. Bin dann freiwillig die paar km bis zum falsch genommenen Abzweig (und der dortigen Brücke) zurückgefahren. Auf dem Rückweg begegneten mir 2 gut ausgestattete Grossenduros. Schwankte zwischen warnen wollen und wieder umdrehen, damit ich die Gesichter sehen kann, wenn sie dem Gewässer gegegnen. Als ich dort war, durchquerte grade eine Person das Gewässer. Das Wasser staute sich oberschenkelhoch ...

    Trotzdem: Viel zu warm und viel zu wenig Kurven.

    Aber das Hostal hatte Klimaanlage, immerhin!

  • Kein Schnitzel, keine Überstunden, keine vollgekackten Windeln, ja nicht mal eine Steuererklärung - lohnt sich das denn wirklich?

    Fast jeden Tag, den ganzen Tag, auf dem Motorrad unbequem sitzend die Umwelt verpesten, ist das noch zeitgemäß?

    Da bin ich lieber emsig im Büro und bringe opulente 2500 Jahreskilometer zusammen; Hauptsache auf den 140km Touren wird pünktlich eingekehrt. Danach erst mal putzen, akkurate Kettenpflege mit drei aufeinander abgestimmten Premiumprodukten, natürlich made in Germany, und schliesslich ans Ladungserhaltungs-Gerät.

    So geht Motorradfahren und nicht anders - Du solltest Dich was schämen, Walter.

  • Gestern Ruta PE-32A gefahren. Mann, was für ein Ding! Sie ist knapp 340 km lang und führt asphaltiert von Puquio nach Ayacucho.

    Auf weiter Strecke (bis Cangallo) ist sie quasi einspurig und kaum befahren. Starker Gegensatz zur vorher befahrenen 30A, bei der man sich mehrspurig mit Lastwagen und sonstigem Vierrad-Zeugs herumärgern muss.


    Fängt erstmal nett harmlos an (wie gesagt: Wohltuend unbefahren und recht frischer und feiner Asphalt):


    Dort findet man auch feine Seitentäler:


    Recht sanft erklimmt man dann eine Höhenstraße, die sich schier endlos am Hang entlang zieht:

    Und die hat es in sich: Steil, sehr steil geht es ins Tal abwärts, die Strecke ist einspurig, Streckensicherung Fehlanzeige und viele, viele enge Kurven.

    Und da wurde mir wieder klar gemacht, dass ich nicht schwindelfrei bin! Zum Glück gab es kaum Gegenverkehr, mir sind vielleicht 20 Fahrzeuge an diesem Tag begegnet.


    Nach der Panoramastraße gab es dann noch einen drauf: Die Strecke querte mehrere Täler und das hiess, dass es öfter mal mehr als 1000 Meter hoch und wieder runter ging. Ich muss mal das Navi ausquetschen, mir kam es jedenfalls vor wie 5x den Manghen oder Mendel hoch und runter!

    Für mein schwaches Schnauferl (Zongshen RX-3, 250ccm) war das Schwerstarbeit. Über etwa 3600 m zieht sie nicht mehr richtig und dann krebst man im 3. oder 2. Gang die Geraden hoch. Und in den Serpentinen im ersten.


    In Huancapi fand ich Unterschlupf, das Mopped kam in den Eisenwaren-Laden zwischen die Ware. Hier ein Vorteil des kleinen Dings, eine GS in Vollausstattung hätte man dort schwerlich untergebracht.


    Ach, ja: Weiss nicht, warum mir keine anderen Tourer begegnet sind. Kann vielleicht daran liegen, dass die Strecke bei der Garmin-Map Südamerika nicht auftaucht. Umgeschaltet auf OpenStreetMap: Alles da. Fairerweise muss man sagen, dass Garmin eindeutig darauf hinweist, dass das Kartenmaterial für den Kontinent nicht komplett ist.


    EDIT: Garmin sagt "Aufstieg/Abstieg: 7619 m/7714 m". Kein Wunder, dass ich nach der Tour nur einen kleinen Happen zu mir genommen habe und dann ins Bett gefallen bin ...

  • Danke, ich habe schon vor der Verkündigung des Notstands eine solche Höhle mit sehr gut funktionierender Dusche (in Peru keine Selbstverständlichkeit) aufgesucht, in einer netten kleinen Stadt mit vernünftiger Infrastruktur und etwas ab von den normalen Touri-Strömen. Bin seit Sonntag hier. Kurz vorher hatte Ecuador seine Grenzen geschlossen und ich hatte es wohl im Urin, dass Peru nicht weiter so fahren kann und etwas passieren wird.


    Arbeitgeber ist informiert, dass er am 30. nicht mit meinem Erscheinen zu rechnen hat. Anfrage beim Reisebüro läuft auch. Ebenso bei der Krankenversicherung (läuft vor Ende der Quarantäne aus). Bei der Krisenliste des Auswärtigen Amts habe ich mich - auf Hinweis meines Chefs - eingetragen.


    Ein Hobby-Projekt, mit dem ich meine Zeit vertreiben könnte, habe ich auch. Aber zuerst ist Westworld im Binge-Watch-Mode dran! ;-)


    EDIT: Und das Hotel hat eine richtig nette Internet-Verbindung, auch untypisch für Peru.